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Liebe an der Bürgerenergie Aller – Fuhse – Aue eG Interessierte,
normalerweise melden wir uns mit unserem Newsletter, wenn es Neuigkeiten aus unseren Projekten oder Einladungen zu Veranstaltungen gibt. Heute schreiben wir Euch und Ihnen ausnahmsweise mit einer Sonderausgabe – weil die Lage es erfordert.
Was ist passiert?
Ein geleakter Entwurf zur Novellierung des EEG sieht vor, die Einspeisevergütung für alle Photovoltaik-Anlagen unter 25 Kilowatt ersatzlos zu streichen. Gleichzeitig plant Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche mit dem sogenannten „Netzpaket" tiefe Einschnitte in die Grundprinzipien der Energiewende.
Der Referentenentwurf zum Netzpaket sieht unter anderem einen „Redispatch-Vorbehalt" vor: Gebiete, in denen nur drei Prozent des Stromes abgeregelt werden müssen, könnten vom Netzbetreiber als „kapazitätslimitiertes Netzgebiet" ausgewiesen werden. Anlagenbetreiber würden dann bei Abregelungen bis zu zehn Jahre lang nicht mehr entschädigt – ein großer Unsicherheitsfaktor für alle neuen Projekte.
Für eine Bürgerenergiegenossenschaft wie unsere, die auf verlässliche Rahmenbedingungen angewiesen ist, um Projekte zu planen und umzusetzen, sind das alarmierende Nachrichten.
Die Reaktion der Branche
Wir sind nicht allein mit unserer Sorge. Mehr als 440 Organisationen aus der Bürgerenergie und der dezentralen Energiewende haben einen gemeinsamen Appell an Ministerin Reiche übergeben und warnen vor gravierenden Folgen für die Energiewende sowie wachsender Unsicherheit für Investitionen in erneuerbare Energien. Allein in Niedersachsen drohen mit den geplanten Gesetzesänderungen 32 Milliarden Euro an Investitionen binnen fünf Jahren wegzubrechen – das trifft unser Bundesland als „Energieland Nummer eins" besonders hart.
Was können Sie tun?
Erstens: Am Samstag, den 18. April 2026, finden bundesweit Demonstrationen unter dem Motto „Erneuerbare Energien verteidigen!" statt – in Berlin, Hamburg, Köln und München. Wer kann, sollte hingehen.
Zweitens: Beteiligen Sie sich an Unterschriftenaktionen im Netz. Viele verschiedene Gruppierungen haben Aktionen gestartet, suchen Sie sich die zu Ihnen passende aus.
Drittens: Reden Sie darüber – mit Nachbarn, Freund:innen, in Vereinen. Gerade weil unsere Genossenschaft in der Region verwurzelt ist, können wir vor Ort etwas bewegen. Und wenn Sie parteipolitisch aktiv sind oder ihre Bundestagsabgeordneten kennen: teilen Sie ihre Meinung innerhalb ihrer jeweiligen Partei, fragen Sie nach den Hintergründen und machen Sie deutlich, dass Sie die nachhaltige und dezentrale Energieerzeugung unterstützen.
Wem nützt das Netzpaket?
Es lohnt sich, einen Blick darauf zu werfen, wer von den geplanten Gesetzänderungen profitiert. Die dezentrale Energieversorgung durch Bürgergenossenschaften, Privatpersonen mit PV-Anlage und kommunale Stadtwerke hat in den letzten Jahren den Marktanteil der großen Energiekonzerne spürbar geschmälert. Zu den drei größten Energieversorgern in Deutschland zählen E.ON, RWE und EnBW – Konzerne, die jahrzehntelang den deutschen Strommarkt unter sich aufgeteilt haben und deren Geschäftsmodell auf zentraler, großindustrieller Energieerzeugung beruht.
Je mehr Bürgerinnen und Bürger ihren Strom selbst erzeugen, speichern und teilen – wie es das Modell der BE-ALFA anstrebt – desto weniger Strom müssen sie von diesen Großkonzernen kaufen. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern Marktlogik: Seit 2005 ist der gemeinsame Marktanteil der großen Vier von rund 80 auf etwa 50 Prozent gesunken. Genau dieser Trend soll durch das Netzpaket und die EEG-Novelle gebremst werden. Wer die Einspeisevergütung streicht und Investitionen in neue Anlagen mit Unsicherheit überzieht, macht dezentrale Projekte unattraktiver – und stabilisiert damit das Geschäft der großen Anbieter. Wir finden: Das ist der falsche Weg.
Unsere Haltung
Wir haben die BE-ALFA gegründet, weil wir die Energiewende in Bürgerhand gestalten wollen – dezentral, gemeinschaftlich, unabhängig. Genau dieses Modell steht jetzt unter Druck. Wir werden die weiteren Entwicklungen genau verfolgen und Sie auf dem Laufenden halten.
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